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Kamelie richtig pflegen, überwintern und schneiden

Kamelien sind sehr alte Kulturpflanzen, die bereits seit Jahrtausenden in Fernost als Nutz- und Teepflanzen angebaut werden. Es gibt knapp 180 verschiedene Arten, dafür umso mehr Hybriden und Züchtungen. Sie alle gehören den Teeblattgewächsen (Theaceae) an und sind gleichzeitig deren bekannteste Vertreter. Sie bilden Sträucher oder kleine Bäume, die an ihren natürlichen Verbreitungsgebieten je nach Art bis zu 20 Meter hoch werden können. Die Heimat der Kamelien ist Asien. Sie reicht vom Himalaja und Nordindien bis nach Java, Sumatra und Japan.

Ihre holzigen Sprosse tragen immergrüne Blätter von mittel- bis dunkelgrüner Farbe in wechselständiger Anordnung und elliptischer oder lanzettlicher Form. Der Blattrand ist überwiegend gezähnt und das Blattgewebe wirkt fest und robust. Reizend sind ihre Blüten mit den leuchtend gelben Staubgefäßen, insbesondere die der farbenfrohen Hybriden. Dank langjähriger Züchtungsarbeit sind verschiedene Blütenformen mit unterschiedlichsten Ausfärbungen und Zeichnungen entstanden. Die Blütenformen lassen sich wie folgt untergliedern:

  • Ungefüllte Blüten – bis 8 Blütenblätter und auffälligen Staubblättern
  • Halbgefüllte Blüten – zwei oder mehr Kreise von Blütenblättern
  • Anemonenförmige Blüten – äußerer Kreis Blütenblätter mit inneren Kron- und Staubblättern
  • Pfingstrosenförmige Blüten – gefüllte Blüten aus Blüten-, Kron- und Staubblättern in unregelmäßiger Anordnung
  • Rosenförmig gefüllte Blüten – gefüllte Blüten mit überlappenden Blütenblättern und vertieften Staubblättern
  • Dicht gefüllte Blüten – gefüllte Blüten mit überlappenden Blütenblättern und verborgenen Staubgefäßen

Nach Europa kamen die ersten Kamelien mit dem aufkommenden Welthandel vor etwa 500 Jahren. Seitdem sind die etwas frostempfindlichen Sträucher in Kultur. Wohl am bekanntesten ist die Kamelien-Art Camellia sinensis, die Chinesische Kamelie. Aus ihren Blättern wurde bereits vor mehreren Jahrtausenden sowohl grüner als auch schwarzer Tee hergestellt. Eine größere Verbreitung hat jedoch die Japanische Kamelie (Camellia japonica) mit ihren blütenreichen Züchtungen. Sie stammt aus Japan, China und Korea. Sie gilt im Vergleich zu ihrer chinesischen Schwester als härter und robuster.

In der Gartenkultur werden Kamelien überwiegend als dekorative Kübelpflanzen gezogen. Lediglich in klimatisch begünstigten Regionen können die Sträucher mit Schutz ganzjährig im Freien bleiben. Mit etwas Geschick werden Kamelien sehr alt. Das beweist beispielsweise die berühmte Pillnitzer Kamelie in Dresden. Nach Schätzungen ist sie heute 230 Jahre alt, misst fast 9 Meter in der Höhe und 11 Meter im Durchmesser. In der Natur soll es sogar Exemplare geben, die tausendjährig bezeichnet werden.

 

Inhaltsverzeichnis

 

Wie wird die Kamelie richtig gepflanzt?

In Kultur gibt man Kamelien einen hellen bis leicht schattierten Platz. Volle Sonne eignet sich weniger gut, denn starke Einstrahlung führt zu Blattverbrennungen am dunklen Laub. Zu schattiert sollte es hingegen auch nicht sein, denn Lichtmangel führt zu einer schwachen Blütenbildung.

In Gärten benötigen sie einen sicheren Platz, der sie und das immergrüne Laub vor eisigen Winden schützt. Besonders die gefürchteten Kahlfröste stellen für Kamelien im Freiland die größte Gefahr dar. In großen Töpfen sind Kamelien beweglich und durch eine Überwinterung besser zu schützen. Als Kübelpflanze schmücken die Schönheiten leicht beschattete Plätze auf Terrassen oder größeren Balkonen. Ebenso sind Kamelien in ungeheizten Gewächshäusern und Wintergärten gut aufgehoben.

Bei Bodenansprüchen sind Kamelien den Azaleen, Rhododendron und Heidelbeeren sehr ähnlich. Humose, feuchte und kalkfreie Böden mit einer guten Durchlässigkeit geben Kamelien alles, was sie für ein gesundes Wachstum benötigen. Erde für Rhododendren oder Moorbeetpflanzen kann als Kultursubstrat in den Gartenboden eingearbeitet werden. Alternativ eignet sich Torf. Das Pflanzloch wird deutlich größer als der Wurzelballen ausgehoben. Eine 3 bis 5 cm starke Kiesschicht am Grund des Pflanzloches sichert den Wasserabzug. Die Kamelie darf keineswegs zu tief eingepflanzt werden. Die Oberkante des Topfballens schließt mit der Erdoberfläche ab. Aufgefüllt wird nicht mit dem ausgegrabenen Erdaushub, sondern mit Rhododendrenerde. Nach der Pflanzung empfiehlt sich das Mulchen unter dem Strauch. Es verhindert Wildwuchs und erhält gleichzeitig die Bodenfeuchtigkeit.

Für die Topf- und Kübelkultur von Kamelien wird ebenfalls diese Erde verwendet, doch zusätzlich mit Sand oder mineralischen Drainagematerial versetzt. Obwohl Kamelien Feuchtigkeit schätzen, dürfen sie unter keiner Staunässe im Wurzelbereich leiden. Sicherheit bietet eine Schicht aus Scherben zerbrochener Tontöpfe am Grund des Gefäßes.

 

Wie pflanzt man die Kamelie richtig um?

Jüngere Kamelien gehören alle 2 bis 3 Jahre umgetopft, bei älteren Exemplaren reichen alle 5 Jahre. Das Umpflanzen empfiehlt sich im Frühjahr, wenn neues Wachstum einsetzt. Die Kübelpflanzen werden aus dem Topf genommen, die alte Erde grob und vorsichtig von den Wurzeln entfernt und in frisches Substrat eingepflanzt. Ist die Kamelie für den Topf bereits zu groß geworden, wird dem immergrünen Gehölz ein größerer Topf gegeben. Die erste Zeit nach dem Umpflanzen mäßig wässern.

Wie pflegt man die Kamelie richtig?

Die Kamelie steht an ihren Standort hell, weder zu sonnig noch zu dunkel. Während des gesamten Jahres ist auf eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit zu achten. Bei Trockenheit wird regelmäßig gegossen. Mulch auf der Baumscheibe bzw. unter dem Strauch sorgt für einen kühlen Fuß und verhindert ein starkes Austrocknen des Bodens. Im Topf sollte man noch genauer hinschauen, ob die Kamelie Wasser benötigt. Sie ist getrennt vom gewachsenen Boden, wodurch es schneller zu trocknen Ballen kommt. Kamelien sind kalkfeindlich und benötigen einen niedrigen PH-Wert im Bereich von etwa 5 bis 6. Zum Gießen wird Regen- oder weiches Wasser verwendet. Kalkhaltiges Wasser erhöht langsam aber stetig den PH-Wert und stört zunehmend die Nährstoffaufnahme.

Apropos Nährstoffe – Gedüngt wird ein- bis zweimal im Frühjahr und ein weiteres Mal im Frühsommer mit einem stickstoffbetonten Voll- oder besser mit einem Rhododendrondünger. Bei der Dosierung reduziert man die Herstellerempfehlungen etwas, denn Kamelien sind salzempfindlich.

 

Wie wird die Kamelie überwintert?

Von Ausnahmen abgesehen, werden Kamelien bei uns überwiegend als Kübelpflanzen gehalten. Zu groß ist die Gefahr, die etwas empfindlichen Pflanzen über den Winter zu verlieren. Kahlfröste sind verbreitet und sorgen bei Immergrünen gelegentlich für Probleme. Befindet man sich in einer milden Region, kann eine Ganzjahreskultur im Freien versucht werden. Zum Auswintern sollten die Kamelien schon etwas älter sein. Im jungen Alter haben sie noch nicht die entsprechende Robustheit entwickelt. Trotz milden Klimas werden die Pflanzen dick mit hellem Frostschutzvlies eingepackt. Das Gewebe schattiert und schützt die Pflanzen gleichermaßen. Die Basis wird zusätzlich mit Reisig oder Rindenmulch angehäufelt.

Für die Überwinterung von Kübeln und Töpfen ist ein helles kühles Winterquartier erforderlich. Kalthäuser, Wintergärten oder das Treppenhaus eignen sich relativ gut, insofern sie nicht wärmer als 15°C werden. Erst durch einen Kältereiz, setzt die Blühwilligkeit der Kamelien ein. Warme Wohnzimmer scheiden für eine Überwinterung aus, zumal trockene Heizungsluft Verdunstungsstress am Laub erzeugt.

Der Umzug ins Winterquartier findet möglichst spät, frühestens bei Frösten von unter 5 Grad minus statt. Im Winter wird nicht gedüngt und nur noch wenig bis mäßig gewässert. Wöchentlich wird nachgesehen, ob das Substrat ausreichend feucht ist. Bei dieser Kontrolle werden die Blätter auf Krankheiten und Schädlinge in Augenschein genommen. Im ungünstigen Falle lassen sich Blatt- und Schildläuse, Blattgallen und Blattflecken entdecken.

Große Temperaturschwankungen und mangelnde Luftfeuchtigkeit können Gründe sein, wenn Kamelien ihre Blüten vorzeitig abwerfen. Ein Besprühen der Blätter erhöht die Luftfeuchtigkeit und verbessert das Mikroklima am Blatt.

 

Wie wird die Kamelie geschnitten?

Die immergrünen Kamelien vertragen Schnitte, auch stärkere Rückschnitte gut. Störende Triebe werden im Frühjahr vor dem beginnenden Wachstum gekürzt, im Speziellen bei jungen Sträuchern. Sobald sich ein gleichmäßiger Wuchs geformt hat, lässt man die Pflanzen wachsen. Ältere Exemplare lassen im Wachstum nach. Bei ihnen beschränkt sich der Rückschnitt auf die abgeblühten Triebspitzen nach der floralen Phase.

 

Welche Verwendung hat die Kamelie?

Kamelien sind einzigartige Pflanzen aus Fernost, die es dank langer Züchtungsarbeit in einer großen Vielfalt gibt. In maritimen oder milden Regionen können sie als Gartenpflanzen im Freiland gezogen werden. Sie bereichern Strauchrabatten, Gehölzränder, asiatische Gärten oder können als Heckenpflanzung verwendet werden. In Mitteleuropa kennt man Kamelien in der Regel als Kübelpflanze. Im Gefäß schmücken Kamelien größere Balkone und Terrassen in absonniger oder halbschattiger Lage.

Die Blätter der Chinesischen Kamelie werden grünen Tee geerntet und getrocknet.

 

Wann ist die Blütezeit der Kamelie?

Die Blütezeit der Kamelie ist zeitig im Frühjahr. Unter Glas oder im Winterquartier beginnt sie teils schon im März. Im Garten ausgepflanzte Kamelien blühen mehrere Wochen später im Frühling.

 

Ist die Kamelie giftig?

Kamelien sind nicht giftig. Die Chinesische Kamelie ist sogar Basis des grünen und schwarzen Tees. Aus medizinischer Sicht besitzen ihre Inhaltsstoffe viele positive Eigenschaften, wie z.B. eine adstringierende, harntreibende und antibakterielle Wirkung.

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