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Hopfen richtig anbauen, vermehren und trocknen

Jedem Biertrinker ist Hopfen bestens vertraut, möglicherweise nicht als Pflanze, sondern bevorzugt als Würze im Bier. Die krautige Kletterpflanze gehört zu den Hanfgewächsen (Cannabaceae). Der gewöhnliche und bei uns heimische Hopfen (Humulus lupulus) hat 6 Arten als Geschwister, die ausschließlich an Naturstandorten auf der Nordhalbkugel in Europa, Asien und Nordamerika verbreitet sind. Sein genauer Ursprung ist unbekannt und konnte bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden. Hopfen blickt wie andere Würz- und Heilpflanzen auf eine lange Tradition zurück. Ob es Römer, Kelten oder Sumerer waren, die ihn als Bierwürze entdeckt haben, lässt sich heute nicht mehr belegen. In Europa wurde Hopfen seit dem Mittelalter zunächst in Klosterbrauereien verwendet und fand später den Weg heraus in die Gartenkultur und den kommerziellen Anbau.

In der Natur findet man Hopfen in feuchten Wäldern, an Flussufern oder wilden Hecken. Hopfen wächst als verholzende Kletterstaude, die binnen weniger Monate mehrere Meter gen Himmel klettert. Seine ausgeprägte Wuchsfreudigkeit lässt seine Triebe im vollen Wachstum fast 30 cm pro Tag sprießen. Sie umschlingen dabei rechtswindend jede Möglichkeit, die sich ihnen bietet. Äste und Zweige von Bäumen und Sträuchern, sogar kleinere Gehölze werden komplett überwuchert. Seine Triebe entwickeln sich im Frühjahr aus kriechenden Rhizomen. Sie sind rau behaart und tragen 3- bis 5-lappige Blätter, deren Rand scharf gesägt ist. Das Laub und die Triebe sind zudem borstig behaart und können bei unvorsichtigen Pflegearbeiten durchaus Hautverletzungen hervorrufen. Hopfen ist zweihäusig und trägt entweder nur männliche oder rein weibliche Blüten. Für eine Befruchtung sind somit mindestens zwei Pflanzen unterschiedlichen Geschlechtes notwendig. Ab dem Sommer erscheinen je nach Geschlecht kleine männliche oder größere weibliche Blütenähren, die sich nach und nach von hellgrün zu strohgelb färben. Aus der Ferne wirken weibliche Blütenstände wie kleine Tannenzapfen, wodurch sie vielerorts als Hopfenzapfen bezeichnet werden. Statt Schuppen handelt es sich jedoch um papierartige Deckblättchen. Die weiblichen Blütenstände, zumeist von Kultursorten, enthalten bitter-fruchtigen Aromen, die als Würze im Brauereikessel landen.

Im Herbst stirbt der komplette Spross ab und der Hopfen zieht sich in die Wurzel zurück. Übrig bleiben braune Pflanzenreste, die im Winter zahlreichen Kleintieren Rückzugsorte geben.

In Gärten kann Hopfen für die Begrünung von Rankgerüsten, Spalieren, Zäunen oder Mauern. Da sie keine Haftwurzeln bilden, brauchen Hopfentriebe eine Klettermöglichkeit, die sie umschlingen können. Am einfachsten lassen sich Rankgerüste als zierende Gartenelemente verwenden. Dazu gehören Obelisken, Rosen- und Torbögen. Auch einzelne Zaunelemente oder abgestorbene Kleinbäume verrichten den Zweck als Kletterhilfe. In Gärten wird seltener der gewöhnliche Hopfen, als seine buntlaubigen Sorten (z.B. Gold-Hopfen – Humulus lupulus 'Aureus') angebaut. Der große Vorteil des Gold-Hopfens besteht darin, dass sein helles Blattwerk auch bei intensiver Sonnenbestrahlung nur selten leidet und verbrennt. Für panaschierte bzw. helllaubige Pflanzen ist diese Sonnenrobustheit außergewöhnlich.

 

Inhaltsverzeichnis

 

Wie wird Hopfen richtig angebaut?

Hopfen bevorzugt warme Standorte in sonniger oder halbschattiger Lage. Ein feuchter, tiefgründiger und nährstoffreicher Boden fördert die Wuchskraft des Hopfens. Doch selbst in weniger guten Böden passt sich der Hopfen problemlos an. Lediglich dauerhaft staunasse Böden sind für die Hopfenkultur nicht zu empfehlen.

Hopfen wird in der Regel als Containerpflanze gehandelt. Daher ist eine Pflanzung im Frühjahr oder Herbst möglich. Mehr als 2 bis 3 Pflanzen dürfen es pro Quadratmeter nicht sein.

 

Benötigt Hopfen eine Rankhilfe?

Von Anfang an wird eine Kletterhilfe gestellt, sei es als Metallgerüst, herabhängende Schnüre oder wenigstens ein altes Zaunsfeld. Im ersten Jahr darf man noch keine großen Erwartungen hegen. Der Hopfen nimmt sich diese Zeit, um sich im Boden zu verankern. Mulch um die Pflanze senkt die Bodenverdunstung und bei Verwendung von Kompost werden Nährstoffe eingetragen. Starkes Wachstum erfordert einen erhöhten Nährstoffbedarf, der in kargen Sandböden kaum gedeckt werden kann. Vor der Pflanzung wird ausgiebig Kompost oder Humus ins Erdreich eingetragen.

Hopfen lässt sich natürlich auch in großen Töpfen anziehen. Besonders schön wirkt die Kletterpflanze in dekorativen Keramikgefäßen. Hierfür verwendet man gewöhnliche Pflanzerde, der man durch Einmischung von Sand oder Tongranulat mehr Struktur verleiht. Dieser Zusatz verringert die Umpflanzzyklen. Alle 5 Jahre erhalten Hopfenpflanzen im Kübel frische Erde, um ihre Wuchskraft zu erhalten.

Wie wird Hopfen gepflegt?

Als ursprünglicher Bewohner von Auwäldern setzt Hopfen eine ausgeprägte Bodenfeuchtigkeit voraus. Trockenheit wird durch regelmäßiges Gießen entgegengewirkt. Auf schweren Böden sollte man es beim Wässern nicht zu gut meinen, denn der widerstandsfähige Hopfen kann bei Übernässung und feuchter Kühle unter der Verticillium-Welke erkranken. Die Pilzinfektion tritt insbesondere bei feuchter Kühle auf. Besonders ärgerlich ist der weiße Pilzrasen des Mehltaus, der sich alljährlich im Sommer auf dem Laub ausbreitet. Vorzeitiges Behandeln mit Netzschwefel oder Pflanzenstärkungsmitteln mildert den Befall ab.

Jährliches Auftragen von Mulch um die Pflanzen verringert die Gefahr von Bodenaustrocknungen und verhilft teilweise zu Nährstoffen. Gedüngt wird entweder Kompostmulch, das in die Bodenoberfläche gegrubbert wird, Hornspäne oder Düngejauchen. Sowohl Beinwell- als auch Brennnesseljauche regen ein zügiges Wachstum nach oben an. Augenmerk sollte nicht nur die Pflanze bekommen, sondern auch ihre Kletterunterstützung. Sie muss so stabil sein, dass sie das Gewicht des Hopfensprosses tragen kann. Bricht sie zusammen, wächst der Hopfen wie ein Bodendecker in die Breite und wurzelt überall, wo seine Triebe den Boden berühren.

 

Wie schneidet man Hopfen?

Schnittmaßnahmen sind im Groben nicht notwendig. Der Spross stirbt im Herbst vollständig ab. Die Pflanze zieht sich in die Wurzel zurück, von der ein neuer Austrieb im Frühjahr erfolgt. Das Zurückziehen hat den Vorteil, dass die Pflanze den Winter unter der Erde verbringt und keines Winterschutzes bedarf. Ausgenommen davon sind Hopfenpflanzen im Kübel, denn dieser kann seitlich durchfrieren und Wurzelschäden an den Rhizomen verursachen. Einwickeln mit Vlies oder Jutesäcken reicht in der Regel aus. Der abgestorbene Spross kann bereits im Herbst entfernt werden. Da er jedoch Rückzugsorte für Kleintiere darstellt, wartet man mit dem Putzen bis zum Frühjahr.

 

Wie vermehrt man Hopfen?

Hopfen zu vermehren, ist selbst für ungeübte Gärtner ein Kinderspiel. Wie jede andere Staude lassen sich die Wurzelstöcke im Frühjahr oder Herbst teilen. Zudem gelingt das Bewurzeln von Grünstecklingen im Frühjahr meist ohne Probleme. Noch einfacher gestaltet sich das Ablegen und Fixieren von Trieben auf der Erdoberfläche. An den Blattachseln bilden sich bald darauf neue Wurzeln und der Trieb kann von der Mutterpflanze getrennt werden.

 

Welche Verwendung hat Hopfen?

Hopfen ist eine ausgezeichnete Kletterpflanze, die rasch wächst und keinen verholzten Spross hinterlässt. Daher eignet sie sich perfekt für die vertikale Begrünung von Wänden, Klettergerüsten, Zäunen oder Rosenbögen. Als sommerlicher Sichtschutz verhindert Hopfen neugierige Blicke aus der Nachbarschaft. Seine aromatisch duftenden Blüten bestechen nicht durch Farbe. Dafür lassen sie sich trocknen und können dekorativ in Herbstfloristik verbunden werden. Ein Farbenspiel lässt sich dennoch erzeugen. Man ergänzt bzw. umpflanzt den Hopfen mit einjährigen Kletterpflanzen, beispielsweise Duftwicken (Lathyrus), Prunkwinden (Ipomoea) oder Feuerbohnen (Phaseolus coccineus). Sie nutzen die Hopfentriebe als Kletterhilfe und kriechen in den Hopfen hinein. Ihre Blüten schauen dabei dekorativ aus dem verwachsenen Klettergestaltung heraus.

 

Welche Wirkung hat Hopfen?

Die Wirkung des Hopfens ist wohl jedem Biertrinker und Brauer bekannt. In der Naturmedizin gilt Hopfen als stark beruhigend und spannungslösend. Das Kraut schmeckt bitter-aromatisch, wirkt tonisierend, harntreibend und krampflindernd. Innerlich wird Hopfen bei Schlafproblemen, Angstzuständen, Gereiztheit oder nervöse Störungen empfohlen. Äußerlich schätzt man die antibakterielle Wirkung bei Entzündungen der Haut oder Ekzemen. Feinschmecker haben die Jungsprosse als Delikatesse entdeckt, die wie Spargel geerntet und verwendet werden. In manchen Regionen kennt man sie als Hopfenspargel.

Vorsicht ist bei Pflegearbeiten geboten, denn die Sprosse wirken hautreizend und allergen.

 

Wie wird Hopfen getrocknet?

Die weiblichen Blüten des Hopfens werden im Herbst gepflückt, wenn sie sich gelblich-braun färben. Die Ernte findet an trockenen Tagen zur Mittagszeit statt und die Blüten werden in Siebkisten zum Trocknen an einem schattigen Ort ausgelegt. Je nach Luftzirkulation und Temperatur sind die Hopfenblüten nach zwei bis drei Wochen getrocknet. Sie werden für Aufgüsse, Tinkturen oder Extrakte weiterverwendet.

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