Schneeglöckchen richtig pflegen, schneiden und pflanzen

Kaum eine Pflanze hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen solchen Hype erlebt, wie bei den Schneeglöckchen geschehen. Liebhaber sind förmlich vernarrt in diese aparten Frühjahrsblüher. Preise im hohen dreistelligen Bereich sind für außergewöhnliche Auslesen keine Seltenheit. Sicher muss man kein Liebhaber, Profi oder Sammler sein, um Schneeglöckchen im Garten zu kultivieren und sich an ihnen zu erfreuen.

Schneeglöckchen sind Zwiebelpflanzen aus der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae). Insgesamt 21 Arten bilden die botanische Gattung Galanthus. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet reicht von West-, über Mitteleuropa, nach Südeuropa und Vorderasien. Bereits in der Antike wurden Schneeglöckchen beschrieben. Ihr botanischer Name setzt sich aus den griechischen Worten „gala“ und „anthos“ zusammen. Übersetzt bedeutet es so viel wie „Milchige Blüte“ und bezieht sich auf die milchweißen Blüten der Schneeglöckchen. Die Pflanzen entwickeln hasel- bis walnussgroße Zwiebeln, die nur selten von einer häutigen Schale umgeben sind. Aus ihnen treiben bereits im Spätwinter lineale bis riemenförmige Blätter. Für Experten lässt sich mitunter am Grünton der Blätter die Schneeglöckchenart bestimmen. Mit dem Laub erscheinen zugleich die Blüten. Jede Zwiebel bildet nur eine einzelne hängende Blüte in Glockenform. Sie erscheint an einem gebogenen Blütenstiel und besteht aus drei inneren Blütenblättern, sowie drei größeren abgespreizten Blütenblättern. Die inneren Blütenblätter sind klein und haben an ihrem Ende grüne Flecken oder einen Saum. Die äußeren Blütenblätter machen die optische Zierde aus, sind weiß gefärbt und schließen die inneren Blütenblätter bei Kälte ein. Nach dem Flor entwickeln sich 3 mm große Samen, die in Kapseln heranreifen. Schneeglöckchen sind extrem kreuzungsfreudig. Nur durch gezielte Bestäubung reiner Arten gibt es artgleiche Nachkommen. Ansonsten gibt es mittlerweile auch in der Natur unendlich viele Naturhybriden, die sich durch mitgebrachte Pollen von Insekten zu neuen Typen kreuzen. Diese Eigenart der Schneeglöckchen ist für den Sortenhype der Vergangenheit verantwortlich. Aus den unzähligen Kreuzungen wurden seltene Formen herausgelesen, die heute von Liebhabern gesucht und mit Spitzenpreisen honoriert werden. Man spricht heute von über 500 verschiedene Sorten. In England wollen Sammler sogar über 1.000 verschiedene Schneeglöckchensorten zusammengetragen haben.

Schneeglöckchen sind die Frühjahrsblüher schlechthin. Sie stellen in vielen Gärten die Vorboten des Frühlings dar. Ihre Blüten durchbrechen dabei oft den schmelzenden Schnee. Schneeglöckchen eignen sich hervorragend als kleiner Tuff im Blumenbeet oder im Steingarten. In Gruppen verwildern sie unter Laubgehölzen oder auf Wiesen. Dort entpuppen sich die reizenden Zwiebelpflanzen an sonnigen Tagen als wahre Bienenmagneten. Ebenso sind Schneeglöckchen beliebte saisonale Topfpflanzen für Balkon und Terrasse.

 

Inhaltsverzeichnis

 

Wie werden Schneeglöckchen richtig gepflanzt?

Schneeglöckchen findet man in der Natur häufig unter oder zwischen Bäumen und Sträuchern. Unser heimisches Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) liebt den Schatten während seiner Ruhephase im Sommer und die Frühlingssonne durch die unbelaubten Baumkronen im Spätwinter. Der Boden sollte humos, durchlässig und frisch sein. Das trifft für die meisten normalen Gartenböden zu.  Die selteneren Arten der Spätherbstblühenden oder Winterblühenden lieben etwas mehr Sonne und kommen gut im Steingarten unter.

Die Zwiebeln werden im Herbst etwa 5 bis 8 Zentimeter im Abstand von 10 bis 15 Zentimetern eingepflanzt. Beim Einkauf ist darauf zu achten, dass die Zwiebeln nicht ausgetrocknet sind. Bei selteneren Arten empfiehlt es sich, die Pflanzen vorsichtshalber als Topfware zu erwerben. Werden Zwiebeln in die Wiese zum Auswildern gepflanzt, darf erst mit dem Rasenmähen begonnen werden, wenn sich das Laub braun färbt und die Schneeglöckchen einziehen. Gleiches gilt für Bodenbearbeitung und das Hacken von Unkräutern.

Pflanzen im Topf werden nach ihrer Blüte im Garten ausgepflanzt. Belässt man sie im Gefäß, sollten sie den Sommer möglichst trocken verbringen. Sommernässe führt dazu, dass die Zwiebeln im Topf faulen. Beabsichtigt man Topfpflanzen für die Frühlingsbepflanzung heranzuziehen, verwendet man Keramik- oder Tontöpfe. Im Gegensatz zu Kunststofftöpfen ist die Gefahr von Übernässungen im Wurzelbereich geringer. Die Zwiebeln werden im Herbst einige Zentimeter tief eingesetzt und die Töpfe an geschützter Stelle im Freien in die Erde eingelassen. Zum Antreiben holt man die Töpfe nach Weihnachten oder im Januar an einen kühlen Ort im Haus. Die Pflanzen sollen langsam erwachen, ohne einen Wärmeschock zu erleiden.

Wie werden Schneeglöckchen gepflegt?

Schneeglöckchen neigen zum Verwildern und bedürfen keinerlei Pflegemaßnahmen. Düngungen sind unnötig, denn die Zwiebeln finden im Boden ausreichend Nährstoffe. Dezente Zurückhaltung ist das Einzige, was die Zwiebeln während ihrer Vegetation im Frühjahr erwarten. Keine Störungen solange das Laub grün ist!

Ungestört läuft ebenfalls die Vermehrung ab. Sobald die Samen reif sind, fallen die Kapseln auf die Bodenoberfläche. Ameisen verschleppen die Samen, die im nächsten Jahr an anderer Stelle keimen. Möchte man eigene Aussaaten vornehmen, muss man den Ameisen zuvorkommen und die Kapseln abnehmen. Die Samen werden in offene Kästen oder Tontöpfe ausgesät. Man stellt sie an halbschattiger Stelle auf und lässt die Erde nicht austrocknen. Geduld wird vorausgesetzt, denn bis zur Blüte vergehen drei bis vier Jahre. Alternativ können größere Tuffs geteilt werden. Sobald die Blätter welken und die Schneeglöckchen einziehen, gräbt man sie aus und zerlegt die Ballen in mehrere Teilstücke. Dabei sollte man darauf achten, dass man die Zwiebeln nicht unnötig verletzt. Die einzelnen Teilungsstücke werden unmittelbar nach dem Vermehren an den vorgesehenen Pflanzplätzen eingesetzt. Geteilte Schneeglöckchen blühen bereits im nächsten Jahr an neuer Stelle.

Schneeglöckchen sind relativ robuste Pflanzen. Trotzdem kann die Narzissenfliege oder ein Schneckenbefall zu Problemen führen. An feucht-kühlen Standorten tritt gelegentlich Grauschimmel auf. Wühlmäuse fressen zwar keine Zwiebeln, jedoch können sie diese an andere Orte verschleppen.

 

Welche Verwendung haben Schneeglöckchen?

Schneeglöckchen sind liebreizende Zwiebelpflanzen und oftmals die ersten Frühlingsboten im Garten. Sie sind eine hübsche Bereicherung in jedem Blumenbeet, denn mehrere kleine Tuffs ergeben ein hübsches Bild. Sie passen auch in Steingärten oder können in Kombination mit lockeren Bodendeckern kombiniert werden. Reizvolle Gestaltungsmöglichkeiten bieten Winterlinge (Eranthis hyemalis), Frühlings-Alpenvielichen (Cyclamen coum) oder Netzblatt-Schwertlilien (Iris reticulata) als Nachbarn. Besonders beliebt sind sie zum Verwildern unter Sträuchern und Bäumen, die zur Blütezeit noch unbelaubt sind und später mit ihrem Blätterkleid die Bodenoberfläche vor der prallen Sommersonne schützen. Ebenso bieten sich Standorte unter Hecken an. Als Topfpflanze eignen sich Schneeglöckchen nur temporär, denn die Topfkultur ist mit einem Platz im Garten nicht vergleichbar. Nach der Blüte sind die Schneeglöckchen im Garten auszupflanzen.

 

Welche Arten von Schneeglöckchen gibt es?

Das heimische, auch als Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) bekannt, findet man vielerorts. Teilweise gibt es noch ganze Wiesen voll mit dem beliebten Frühjahrsblüher. Großblumiger und etwas größer im Erscheinungsbild ist das Türkische Schneeglöckchen (Galanthus elwesii). Diese Art verträgt auch besser Trockenheit. Noch großblumiger ist die Art Galanthus plicatus, die erst vergleichsweise spät im März seine Blüten vorbringt. Daneben gibt es unzählige Hybriden als Sorten, die insbesondere bei Schneeglöckchensammlern beliebt sind.

 

Sind Schneeglöckchen giftig?

Alle Pflanzenteile der Schneeglöckchen sind giftig und rufen bei Verzehr Magenverstimmungen hervor. Ein intensiver Kontakt mit den Zwiebeln kann Hautreizungen verursachen.

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